Wenn das Leben schief geht…..

Auf einer Web Seite, die bemerkenswerte Aussprüche von Kindern sammelt (Eltern posten Zitate ihrer Sprößlinge, http://www.kindermund.de) las ich, dass ein Mädchen einen Tierfilm im Fernsehen ansah und so ungefähr sagte: „Mami, schau, der Fisch steckt den Kopf in den Sand, weil er nicht dabei sein möchte, wenn das Leben schief geht!“

Ok, Schuh zieh ich mir an. Ich möchte auch nicht dabei sein, wenn das Leben schief geht. Ich würde mir wünschen, dass mir eine andere Vorbeugungsmaßnahme zur Verfügung steht als das Kopf – in – den – Sand – Stecken. Und ich bin fest entschlossen, an einer für mich annehmbaren Technik zu arbeiten. An einer etwas mehr ambitionierten  Alternative als das, was sich der Fisch auf irgendeinem Weg von dem Vogel Strauß ab geschaut haben muss, aber viel besser noch, an einer zuverlässigen Methode, das Schiefgehen vollständig zu vermeiden. Ob es nun mein eigenes Leben wäre, oder das von jemand anderem – mir bekannt oder unbekannt –  dabei sein will ich nicht, wenn dies Leben schief geht. Der Gedanke allein ist schon schlimm.
Es gibt aber nichts Besseres als das Leben, das  gut geht. Dann kann ich mir nichts Schöneres denken, als dabei zu sein. Wie vorgestern, zum Beispiel.
Da war ich unterwegs mit dem Hund, zu den abgemähten Wiesen und Feldern. Da dachte ich, ich habe überhaupt keine Lust. Ich will gar nicht da herumlaufen, in diesem Licht, das so blendet.  Und ich habe meine Sonnenbrille vergessen. So stapfte ich für eine Weile quer über das stoppelige Gras, bis mein Blick auf eine überdimensionale Fackel fiel: die lodernde Flamme eines Baumes, der seine glühenden Blätter dem azurnen Himmel anbot. Da veränderte sich mein Blick, der Geruch des Windes, der von den Fallobstwiesen herüberzog, das Gleißen der Sonnenstrahlen, die sich in filigraner Zärtlichkeit an den Saum des Waldes schmiegten. Da standen Raben wie Bronzestatuen reglos in den Ackerfurchen. Da woben die satten Hagebutten Festtagsgirlanden durch die Zweige der Hecke. Da folgte ein Paar, sich an den Händen haltend, dem gewundenen Pfad in der sanften Senke. Da ging es gut, das Leben. Und ich war dabei.
Und gestern, am Abend, da ging das Leben gut. Da war ich dabei, als Menschen sich trafen, die sich nicht kannten, und die doch ihre Worte vor den anderen ausschütteten, ihr Schreiben den anderen schutzlos darboten, die einen aus Mut, die anderen aus Wut, manche aus Freude und manche aus schierer Unwissenheit. Menschen, die sich vorstellten und darstellten, die teilten und mitteilten, die lauschten und manche, die berauschten. Da war ich dabei und war ich und gehörte doch dazu. Und bekam Freude zu spüren und sah Augen, die glänzten, und über allem hing der süße Klang von Herzen, die hofften. Da waren alle, die Zweifler und die Zauderer, die Weisen und die Magier, im Netz ihrer vorgetragenen Worte verfangen, und wollten nicht fliehen.
Da ging es gut, das Leben.

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